Unglaublicher Weise gibt es in der FAZ einen ernst gemeinten und guten Artikel über die Probleme unseres Geldsystems. "Brauchen wir ein neues Geldsystem?" Es werden sogar völlig ohne Häme die Vollgeld-Theorie und die Umlaufsicherung nach dem Wörgler Vorbild angesprochen. Leider wird die Vollgeld-Idee als 100% Mindestreserve interpretiert. Entsprechend negativ fällt dann auch die Bewertung dieser Idee durch den Frankfurter Wirtschaftsprofessor Volker Wieland aus, der, wie die meisten Ökonomen, offensichtlich nicht versteht oder verstehen will. Bei Vollgeld braucht man nämlich keine Mindestreserve mehr. Alles, was bei einer Bank in den Büchern steht ist dann offizielles Zahlungsmittel. Es ist nicht wie bei 100% Mindestreserve eine Forderung, die durch 100% Bargeld im Tresor gedeckt sein muss. Vollgeld ist genau, wie Bargeld Euro, offizielles Zahlungsmittel, keine Sichteinlage, wie jetzt, und darf dann eben nicht mehr von Geschäftsbanken bei Kreditvergabe geschöpft werden, weil eben nur die Zentralbanken Euros schöpfen dürfen.

Und es wird mal wieder gefragt, ob es nicht gefährlich ist, der Zentralbank die alleinige Kontrolle über die Geldmenge und somit mehr Macht zu geben. Vielleicht. Aber ist aktuell besser, diese Macht auf die Geschäftsbanken zu verteilen, die ihre Entscheidungen rein aus Gewinnsicht treffen?

Auch wird behauptet, dass man in der Inflation schon eine Umlaufsicherung hätte. Auch das wird immer wieder von den Mainstream-Ökonomen falsch interpretiert.

Die Inflation ist ein kaum geeignetes Mittel, um das Kaufverhalten der Menschen zu beeinflussen. Zum einen ist es psychologisch nur vage im Hintergrund und allenfalls in extremen Situationen zu spüren. Zum anderen ist sie schwer steuerbar, da sie nur zum Teil von der Geldmengenausweitung abhängt. Und die Geldmenge ist zudem auch noch nur indirekt durch die Zentralbank steuerbar.

Ein weiterer Nachteil der Inflation ist, dass sie Sparer und Lohnabhängig-Beschäftigte gleichermaßen trifft. Denn wenn Sie ihr Einkommen aus Arbeit beziehen, verlieren Sie Kaufkraft, wenn sie keine entsprechende Gehaltsanpassung bekommen. 

Eine Umlaufsicherung trifft die Menschen, die am wenigsten haben auch am geringsten. Die, die am meisten Geld haben, werden am stärksten getroffen.

Der psychologische Effekt, der Drang das Geld ausgeben zu müssen, ist bei einer Umlaufsicherung auch viel stärker als bei der subtilen Inflation. Außerdem verhindern die "negativen Zinsen", dass Geldvermögen sich "aus sich selbst heraus" vermehren und erschweren somit die Umverteilung von Arm nach Reich.

So schwer es zu glauben ist und so gerne Sie auch sparen und dafür Zinsen bekommen:

Mit dem aktuellen Geldsystem verliert die Masse und gewinnt eine kleine Oberschicht!

Mit Umlaufsicherung verliert die kleine Oberschicht und gewinnt die Masse!

 

 

Aber trotzdem ein guter Artikel für den Mainstream.