Die Ursachen des Lohndumpings liegen grundsätzlich im "Kapitalismus" und im Freien Markt. Auch wenn beides oft gleichgesetzt wird, möchte ich hier differenzieren. Der Kapitalismus erzwingt das Gewinnstreben aus anderen Gründen, als der Freie Markt. Auch, wenn die Grenzen dabei fließend sind.
 
Der freie Markt zwingt ein Unternehmen dazu immer besser als die Konkurrenz zu sein, im "Wettbewerb" zu gewinnen. Tut er das nicht, verliert er, geht insolvent, bankrott, pleite. Das macht sich besonders bei zwei Faktoren bemerkbar.
 
Globalisierung
Deutschland (eigentlich alle Industrieländer) muss mit den Niedriglöhnen der Schwellenländer konkurrieren. Das zwingt die Unternehmen auszulagern, effizienter zu werden, oder das Geschäftsfeld komplett aufzugeben. 
Die Bundesregierung hatte auch ein massives Interesse am Lohndumping, um auf dem Weltmarkt als Exportweltmeister zu bestehen. Natürlich mit anderen Gütern, als China oder Indien, aber in Konkurrenz mit dem den anderen Industrienationen.
 
Konkurrenz mit den Maschinen
Um effizienter, also wettbewerbsfähiger zu werden, werden Menschen durch Maschinen ersetzt. Wenn aber Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt werden, erhalten diese Menschen nicht zwangsläufig einen neuen Arbeitsplatz, werden also in die Arbeitslosigkeit entlassen. Im schlimmsten Falls müssen sie sich anbiedern überhaupt wieder irgendeinen Arbeitsplatz zu bekommen. Egal mit welchem Lohn. Hauptsache kein Hartz IV!
Philosophisch gesehen ist eigentlich ein Armutszeugnis für uns:  Da, wo uns Maschinen eigentlich helfen, uns "freisetzen" und uns Zeit sparen, nehmen sie uns den Einkommensplatz. Mit den Maschinen, die wir bauen, um unsere Arbeit leichter zu machen, vernichten wir gleichzeitig  Arbeitsplätze und somit unseren Einkommensplätze.
Wir Menschen sind also gezwungen, in Konkurrenz mit den Maschinen gehen. Wir, die Erbauer der Maschinen, müssen nun genauso schnell und billig arbeiten, wie sie.
 
Das liegt daran, dass diese Maschinen den Unternehmen gehören und der Mehrwert dieser Maschinen nicht den Menschen, sondern nur ihren Besitzern zu Gute kommt.
 
Was uns zum Kapitalismus bringt. 
 
Zu definieren, was Kapitalismus ist, ist gar nicht so leicht. Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: 
 
Eigentum
Wie wir gerade schon erläutert haben, gehören die Maschinen Unternehmen.
Aber auch das Kapital gehört jemandem und er darf damit tun, was er will. Er darf es auch so lange zurück halten, bis er die gewünscht Rendite erhält.
 
Gewinnstreben des Kapitals
Das Kapital, die Investoren, erwarten Gewinne. Als wäre der Wettbewerb mit der Konkurrenz noch nicht genug, müssen die Unternehmen auch noch den Ansprüchen, also Gewinnerwartungen, der Investoren gerecht werden. 
Der einfachste Weg, den Gewinn zu erhöhen, ist meistens eine Reduzierung der Belegschaft, oder eine Kosteneinsparung durch Subunternehmen, Leiharbeiter, Null-Runden, etc.
 
Verschuldung und Zinsen
Ein vielfach unbeachtetes Problem ist das unseres Geldsystems. Unser Geld entsteht nur durch Schulden. Wenn also die Wirtschaft wächst oder wachsen will, geht das nur über Verschuldung. Das viel propagierte "Wachstum und Investition" der Politiker ist nichts weiter als Neukreditaufnahmen der Wirtschaft. Die Unternehmen arbeiten mit immer mehr Schulden und weniger Eigenkapital. Dadurch wächst die Zinsbelastung der Unternehmen. Steigende Zinsbelastungen sind also ein weiterer Faktor immer effizienter sein zu müssen. 
 
Zu "guter" Letzt noch...
 
Abhängigkeit von einem Erwerbsplatz
Die meisten Menschen beziehen ihr Einkommen durch einen Erwerbsplatz und sind mehr oder weniger davon abhängig. Zwar gibt es unsere Sozialsystem, aber viele Menschen sind zu stolz dafür. Sie gehen lieber für weniger Geld arbeiten, als das Sozialsystem in Anspruch zu nehmen. Dieser Trend hat sich seit Hartz IV noch verstärkt.  Arbeitslos zu sein, Hartz IV-Empfänger zu sein, ist für die meisten Menschen mehr als nur ein Makel. Für die Gesellschaft - so ist oft das Empfinden - ist man dann ein Versager, der nichts wert ist. Deswegen gehen viele Menschen lieber für (zu) wenig Geld arbeiten.
 
Die ersten Faktoren zwingen die Unternehmen, die Löhne zu senken. Der letzte Faktor bringt sie in die Position, das auch durchzusetzen.
 
Es gibt also grob gesagt fünf Faktoren für das Lohndumping:
  • Wettbewerb (verstärkt durch die Globalisierung)
  • Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Maschinen
  • Gewinnerwartungen der Investoren
  • Steigende Verschuldung und Zinsbelastung
  • Abhängigkeit von einem Erwerbsplatz
 
Um das Problem des Lohndumpings zu beheben, muss man die Ursachen verstehen. Und nun stellt sich mir die Frage, ob die Befürworter des Mindestlohns all diese Faktoren bedacht haben und sich überlegt haben,
a) ob der Mindestlohn diese Ursachen behebt.
b) wie er sich in diesem Umfeld auswirkt.
 
 

Mindestlohn

 
In meinem Augen wird mit dem Mindestlohn keine dieser Ursachen behoben. Im Gegenteil denke ich, die Probleme werden sich eher noch verschärfen. 
 
Gewinnstreben
Auch mit Mindestlohn besteht noch Wettbewerb und Gewinnstreben; die Ansprüche der Investoren müssen weiterhin befriedigt werden. Arbeitnehmer werden teurer, die Kosten für Maschinen bleiben gleich. Also werden Unternehmen verstärkt prüfen, wo Menschen durch Maschinen ersetzt werden können.
Vielleicht funktioniert der Mindestlohn ja in Bereichen, wo Menschen nicht oder nur sehr schwer durch Maschinen ersetzt werden können; und wo der Wettbewerb sich auf den Binnenmarkt beschränkt und nicht global besteht, also z.B. bei der Gebäudereinigung. In allen anderen Fällen, wo globaler Wettbewerb besteht, werden die Mehrkosten des Mindestlohns irgendwie kompensiert werden müssen, was Entlassungen und Outsourcing zur Folge haben wird. Was also nützt ein Mindestlohn, wenn gleichzeitig Arbeitsplätze abgebaut werden?
 
Ein Mindestlohn nutzt auch nur dem, der einen (Niedriglohn-)Job hat. Wer keinen Arbeitsplatz hat, hat nichts von einem Mindestlohn. Seine Sozialleistungen bleiben gleich. Die Menschen fürchten weiter den sozialen Abstieg in Hartz IV.
 
Ein Mindestlohn behebt in keinster Weise die Ursachen des Lohndumpings. Und ich sehe noch mehr Probleme entstehen.
 
Das Kapital wird immer dorthin fließen, wo es Aussicht auf Rendite hat. In die wirklich wichtigen Bereiche, z.B. die sozialen Bereiche, kommt kaum Geld, weil es dort keine Rendite gibt. Das wird ein Mindestlohn nicht ändern.
 
Schwarzarbeit könnte zunehmen
Um den Mindestlohn zu umgehen, könnten Unternehmer noch stärker zu Schwarzarbeit tendieren.
 
Selbst € 10/h sind immer noch nicht ausreichend.
Mit € 10/h kommt man auf einen Monatslohn von ca. € 1600 brutto. Netto bleiben ca. € 1150. Für einen Alleinstehenden mag das reichen. Aber bei einer 4-köpfigen Familie (bleiben ca. € 1280) müssen immer noch beide Elternteile arbeiten gehen, oder das Einkommen muss mit Hartz IV aufgestockt werden.
 

Die Masse zahlt den Mindestlohn aus eigener Tasche
Wenn die Mehrkosten für den Mindestlohn nicht über Personalabbau kompensiert werden, werden sie auf die Verbraucherpreise umgelegt. D.h. die arbeitende Bevölkerung hat nichts von höheren Löhnen, wenn gleichzeitig die Preise steigen. Für die erwerbslose Bevölkerung schwindet somit Kaufkraft. Um das zu kompensieren, müssten die Sozialleistungen erhöht werden.
 
Behebt nicht das Problem der Sozialen Marktwirtschaft.
Ein Erwerbsloser belastet den Staat doppelt. Statt zu zahlen, kassiert er. Mit dem Mindestlohn ändert sich das auch nicht.

Zentralisierung/Verstädterung
Die Menschen gehen dorthin, wo Arbeit ist, weil sie ein Einkommen wollen. Und das zentralisiert sich immer mehr. Auf dem Land sterben ganze Dörfer aus, weil es dort keine Arbeit und somit kein Einkommen gibt. Gleichzeitig explodieren aber wegen der hohen Nachfrage die Mieten in den Ballungsgebieten. Auch daran kann ein Mindestlohn nichts ändern.
 
Psychische Belastung
Immer mehr Menschen leiden unter dem Druck am Arbeitsplatz. Man muss immer effizienter werden und mehr leisten, während gleichzeitig die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust steigt. Daran ändert ein Mindeslohn nichts. "Nein" zu sagen, trauen sich viele nicht aus Angst vor dem, mit dem Arbeitsplatzverlust einhergehenden, sozialen Abstieg.
 
 

Grundeinkommen

 
Sehen wir uns dagegen unter diesen Gesichtspunkten das Bedingungslose Grundeinkommen an.
 
Den Wettbewerb des freien Marktes schafft das BGE natürlich nicht ab. Auch an der Gewinnerwartung der Investoren oder der steigenden Verschuldung ändert das BGE nichts. Aber im Gegensatz zum Mindestlohn wir die menschliche Arbeitskraft nicht teurer, sondern billiger. Das BGE ist faktisch gesehen auch eine Subvention eines Arbeitsplatzes.
D.h. also, Menschen werden kostentechnisch konkurrenzfähiger gegenüber Maschinen. Es besteht für den Unternehmer also weniger Druck, Arbeitsplätze durch Maschinen zu ersetzen, wenn er dadurch kaum Kosten spart.
Und global gesehen wird ein Land mit BGE natürlich wesentlich konkurrenzfähiger, wenn durch dadurch die Lohnkosten sinken, aber die Einkommen gleich bleiben oder sogar steigen.
Ein BGE nützt auch dem, der keinen Erwerbsplatz hat. Die Abhängigkeit verringert sich.
 
Durch die Absicherung des BGE's besteht auch nicht mehr die Gefahr des sozialen Abstiegs. D.h. der einzelne Mensch ist in einer viel stärkeren Position, sein Gehalt zu verhandeln und muss sich nicht anbiedern.
 
Gerade die sozialen Bereich werden durch ein BGE sehr effektiv subventioniert.
 
Ein BGE pro Kopf hilft einem Alleinstehenden genauso, wie einer Familie, die ein Vielfaches bekommt.
 
Das Problem der sozialen Marktwirtschaft wir behoben.
Jeder bekommt ein BGE. Ein Erwerbsloser belastet den Staat nicht doppelt. Je nach Finanzierung des BGE's belastet er den Staat einfach oder gar nicht. Die Kosten für den Staat bleiben gleich, egal, wie viele Menschen einen Arbeitsplatz haben.
 
Ich bin kein Freund der reinen Konsumsteuer zur Finanzierung des BGE. Aber würde man die Lohnsteuer abschaffen. ergäbe sich daraus noch ein Vorteil: Schwarzarbeit würde nicht mehr existieren.
 
Die Preise werden nicht steigen, da die Lohnbelastung der Unternehmen nicht steigt.
 
Der Zentralisierung wird entgegengewirkt.
In den ländlichen Gebieten fehlt es nicht an Arbeit, sondern an bezahlter Arbeit. Es fehlt also an Einkommensplätzen und somit an Geld. Mit einem BGE werden auch dort Einkommensplätze geschaffen, die Geld dorthin bringen. Somit kommt es dort auch wieder zu verstärkter Nachfrage nach bezahlter Arbeit, was Arbeitsplätze sichert oder schafft.
Wenn der Druck gemindert ist, den Arbeitsplätzen in die Städte zu folgen, werden sich auch die horrenden Mieten wieder etwas normalisieren.
 
Psychische Belastung
Mit einem BGE sollte es den Menschen leichter fallen,  einfach mal "Nein" zu sagen, wenn die Arbeitsbedingungen nicht mehr tragbar sind.
 

Es gibt allerdings einen großen Kritikpunkt am BGE: Es erfordert ein Umdenken. Das fällt den meisten Menschen sehr schwer.
 
Abschiessend noch eine kleine Übersicht.
 

Mindestlohn vs. Grundeinkommen

 
  Mindestlohn Grundeinkommen
Wettbewerb - -
Abhängigkeit vom Erwerbsplatz - +
Konkurrenz mit Maschinen - +
Gewinnerwartung - -
Verschuldung - -
     
Keine Niedriglöhne mehr ja ja
Unterstützung der sozialen Bereiche nein ja
Sinkende Lohnkosten nein ja
Gleichbleibende Verbraucherpreise nein ja
Abschwächung der Zentralisierung nein ja
Abschwächung der psychische Belastung nein ja
Positiv für alle Menschen (auch Erwerbslose) nein ja
Erfordert kein Umdenken ja nein

 

Für mich ist das Grundeinkommen eindeutig die bessere Lösung!