Um mit Grundeinkommensbefürwortern argumentieren zu können, habe ich mich mit der Idee beschäftigt. Und je mehr ich darüber (und über mich, meine Mitmenschen und die Gesellschaft) gelernt habe, umso mehr hat mich die Idee fasziniert. Jetzt bin ich davon überzeugt, dass das BGE eine Säule sein wird, auf die sich unsere Gesellschaft in Zukunft stützen wird.

Aber was ist aus meiner Kritik geworden? (Meinen Vorurteilen?)

1. Dann geht keiner mehr arbeiten. (Außer mir.)

Das denken die meisten Menschen. ... (Noch mal kurz drüber nachdenken... Verstanden?)

2. Es ist total ungerecht, die "Faulen" zu belohnen.

Mag sein, aber zum einen ist Gerechtigkeit subjektiv und zum anderen werden die heute schon belohnt. Viel wichtiger aber ist: die Fleißigen werden heute bestraft. Wenn ich Vollzeit arbeiten gehe und nicht  mehr als Hartz IV verdienen, bin ich doch gestraft, oder nicht!? Mit einem Grundeinkommen wäre das anders, dann hätten diejenigen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen definitiv mehr Einkommen. Außerdem werden derzeit die bestraft, die etwas sinnvolles tun, was nicht bezahlt wird, wie z.B. Eltern, die auf Karriere verzichten um ihre Kinder zu erziehen. Und was ist mit denen, die arbeiten wollen, aber nichts finden? Alles in allem ist unser heutiges Sozialsystem viel ungerechter, als ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Die Frage ist also nicht, ob wir die "Faulen" nicht belohnen wollen, sondern ob wir die "Fleißigen" weiterhin bestrafen wollen!

3. Es ist ganz natürlich, dass man nur etwas bekommt, wenn man auch etwas dafür tut.

Dafür habe ich lange gebraucht. Ist es wirklich "natürlich", nur etwas zu bekommen, wenn man etwas dafür tut?

Es gibt einen Spruch unter den Befürwortern des BGE, der den Kern der Problematik sehr gut trifft:

Man geht nicht arbeiten, um ein Einkommen zu haben. Sondern man braucht ein Einkommen um arbeiten zu können.

Was bedeutet das? Ich will das anhand einer Frage erklären: Können Sie, bis Sie am Ende des Monats ihr Gehalt bekommen, arbeiten, ohne zu essen und zu trinken?

Die Antwort lautet natürlich: Nein.

Aber Sie haben ja Geld, das Ihnen bis zum Monatsende "reicht". Aber folgt das einer "natürlichen Ordnung"? Woher haben Sie dieses Geld? Wir sind hier in einer ähnlichen Situation, wie beim Henne-Ei-Problem? Was war zuerst da? Die Arbeit, mit der Sie Geld verdienen, oder das Geld, das Sie brauchen, um leben und damit arbeiten zu können? Hier ist die Antwort eindeutig einfacher, als beim Henne-Ei-Problem. Das Geld für Ihren Lebensunterhalt muss zuerst da gewesen sein, weil Sie sonst verhungert wären.

Sie brauchen also ein Einkommen, um leben zu können, was die Voraussetzung ist, um arbeiten zu können. 

Aber es ist doch immer noch ganz natürlich, dass man nur etwas bekommt, wenn man auch etwas dafür tut!

Ist das wirklich so?

Haben Sie Familie? Kinder? Was müssen Ihre Kinder für Kost und Logis leisten? Nichts? Ist das nicht komisch? Oder empfinden Sie es als natürlich und richtig, dass Sie Ihr Kind bedingungslos mit allem versorgen, was es zum Leben und für seine Entwicklung braucht? Vielleicht bekommt es ein paar Euro Extra-Taschengeld, wenn es den Rasen mäht, oder ähnliches. Aber es muss nicht für sein Abendessen arbeiten, oder?

Genau das ist ein bedingungslosen Grundeinkommen.

Jetzt können wir auch die Frage klären, woher das Geld für den ersten Monat bis zum ersten Gehalt (am Ende des Monats) kommt: es kommt von den Eltern, die das Kind unterstützen, bis es auf eigenen Beinen steht; bis es genug Einkommen hat und nicht mehr auf Unterstützung angewiesen ist. Und die Eltern wiederum haben es von ihren Eltern bekommen, usw.

Gehen wir zu den Großeltern und immer weiter zurück, gibt es irgendwann kein Geld mehr. Noch weiter zurück gibt es auch keine Menschen mehr. Aber auch hier gilt dieses Prinzip: die Eltern versorgen ihre Jungen, bis diese auf eigenen Beinen stehen können.

Aber was war denn davor? Was war am Anfang, vor dem ersten Tier, der ersten Pflanze? Um wachsen zu können, vielmehr noch: um überhaupt erst entstehen zu können, bedurfte es einer initialen Energie. Erst brauchte es Energie, um Leben entstehen lassen zu können. Nachdem dieses Leben entstanden war und unablässig mit dieser Energie versorgt wurde, konnte es sich weiterentwickeln, Energie besser nutzen, effizienter werden, chemische Prozesse entwickeln, um Energie zu speichern und gespeicherte Energie wieder zu nutzen.

Diese initiale Energie kommt von der Sonne. Seit Urzeiten schenkt sie uns bedingungslos ihre Energie. Wir haben sie genutzt, um uns zu entwickeln und wir nutzen sie immer noch tagtäglich. Erst durch ihre Zuwendung, sind wir in der Lage mehr zu erreichen, als nur zu existieren. Ohne diese bedingungslose Energie, würde unsere Welt und das Leben darauf nicht existieren. Das ist die natürliche Ordnung. Wieso glauben wir, dass es anders ist? Dass nur derjenige ein Einkommen verdient hat, der auch etwas dafür tut?

Dass jemand, der arbeitet, mehr bekommt, als jemand, der nichts arbeitet, ist völlig in Ordnung. Aber bedeutet das auch, dass jemand, der nichts arbeitet, rein gar nichts bekommen darf?

Man könnte also sagen, dass das BGE die konsequente Weiterentwicklung der bedingungslosen Sonnenenergie ist. Wie oben dargelegt, können wir uns nur weiterentwickeln, wenn unsere Existenz gesichert ist. Wenn wir aber nur damit beschäftigt sind, unser nacktes Überleben zu sichern, können wir uns nicht weiterentwickeln. So wie die Sonne ein verlässlicher und bedingungsloser Energielieferant ist, den unser Planet braucht, um zu existieren und sich weiter zu entwickeln, so brauchen wir Menschen die bedingungslose Versorgung mit allen lebensnotwendigen Dinge, damit wir uns weiterentwickeln können.

Stellen Sie sich vor, die Sonne würde nicht bedingungslos scheinen. Stellen Sie sich vor, sie würde sich wie die soziale Marktwirtschaft verhalten. Sie würde einfach ihr Licht ausknipsen, weil wir auf eigenen Beinen stehen und uns selbst versorgen können. Wir gewinnen Energie aus Öl, Gas, Atomkraft, etc., und brauchen ja keine bedingungslose Unterstützung mehr, weil wir künstliches Licht selbst erzeugen können. Erst wenn wir bitten und betteln und nachweisen, dass all unsere Energie aufgebraucht ist, und der Sauerstoff zur Neige geht und wir nichts mehr zu essen haben, würde die Sonne ihr Licht wieder anschalten.

Klingt doof? Finde ich auch. Dann doch lieber bedingungslos, oder?