Dies ist ein Kommentar zum Kommentar von Nikolaus Piper in der SZ: Das Grundeinkommen ist verführerisch - und gefährlich
 
Der Autor knallt ein paar Argumente auf den Tisch, die die Gegner des BGE in ihrer Meinung bestätigt und und die Gegenposition anscheinend bekräftigt. Nur leider vergleicht er Äpfel mit Birnen, und stellt wahllose Behauptungen in den Raum, die er dann als Fakten verkauft. Das perfide ist, dass es bestimmt prima funktioniert. Jemand der "aus dem Bauch heraus" gegen ein Grundeinkommen ist [1], sich nicht wirklich damit und den Argumenten der Befürworter beschäftigt, die Behauptungen nicht hinterfragt, nimmt das als schlüssige Argumentation hin und fühlt sich bestätigt. Aber jemand, der sich mit dem BGE beschäftigt, durchschaut das Spiel recht schnell.

Gestern Abend am 27.11.2015 war ich auf der Lesung zu Daniel Hänis und Philip Kovces Buch "Was fehlt, wenn alles da ist?"

Es war insgesamt ein netter Abend. Die Ausschnitte aus dem Buch fand ich fantastisch und ich kann es kaum erwarten, den Rest zu lesen. Ich hätte aber gerne noch zwei Kritikpunkte vorgebracht, wofür leider keine Zeit mehr war. Deswegen möchte ich das mal auf diesem Wege tun.

Viele glauben ja an die freie Marktwirtschaft, bzw. dass sich der freie Markt selbst reguliert. Dass das nicht so richtig funktioniert sieht man aktuell mal wieder an der Mietpreisbremse.

Man kann auch daran glauben, dass sich eine ausgebrochene Seuche selbst reguliert und dass die Natur wieder von sich aus für ein Gleichgewicht sorgt. Das ist natürlich auch der Fall. Nur dass die Seuche erst mal für massiven Schaden sorgt und so viele Wirte dahin rafft, bis nur noch ganz wenige Starke (Immune, Resistente) übrig bleiben. Genau so funktioniert auch unsere "Freie Marktwirtschaft mit Kapitalismus".

Ich mag den Artikel. Erinnert er mich doch mal wieder daran, über den Wert des Menschen und den Sinn meiner Existenz nachzudenken. Es gibt aber zwei Aussagen/Formulierungen, die dem eher philosophischen Leser, der sich vielleicht nicht so sehr mit Makroökonomie, unserem Geldsystem und dessen Konsequenzen beschäftigt, ein falsches Bild der Realität vermitteln könnten. Darauf möchte ich kurz eingehen.

Hier gehts zum Artikel: "Das ist mir zu philosophisch."

In der Diskussion um das BGE und dessen Auswirkungen auf Löhne und Einkommen hört man immer wieder folgende Aussage:

"Das BGE kommt nicht von oben und nicht oben drauf. Es gibt nicht mehr Geld, sondern das BGE wächst in den bestehenden Lohn hinein."

Ich finde diese Aussage irreführend. Es klingt, als gäbe es mit dem BGE ein Gesetz, das den Lohn um das BGE kürzt. Oder als würden alle Arbeitnehmer direkt ohne Widerspruch eine Kürzung ihres Lohns um das BGE hinnehmen. Und als hätten wir alle so hohe Löhne, dass sich ein BGE nur marginal auswirken würde.